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Betroffene Produkte und Rohstoffe
Die 7 Rohstoffe (Soja, Rindfleisch, Palmöl, Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk), Anhang-I-Folgeprodukte und zugehörige KN-Codes.
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Anhang I der Verordnung 1115/2023 definiert den Anwendungsbereich der EUDR durch sieben relevante Rohwaren und eine umfassende Liste von abgeleiteten Produkten, die durch ihre CN (Kombinierte Nomenklatur) Codes identifiziert werden. Die Auswahl spiegelt die Rohwaren wider, die am engsten mit der globalen Entwaldung verbunden sind.
| Rohware | Anteil an der globalen Entwaldung | Hauptproduktionsregionen |
|---|---|---|
| Rindfleisch (Rinder) | ~40 % (Weidehaltung + Futtermittel) | Brasilien, Argentinien, Paraguay |
| Soja | ~20 % (direkt + indirekt) | Brasilien, Argentinien, Paraguay, USA |
| Palmöl | ~12 % | Indonesien, Malaysia, Papua-Neuguinea |
| Holz | ~10 % (Holzeinschlag + Flächenerweiterung) | Brasilien, DRC, Indonesien, Russland |
| Kakao | ~7 % | Côte d’Ivoire, Ghana, Kamerun |
| Kaffee | ~5 % | Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien |
| Kautschuk | ~4 % | Thailand, Indonesien, Côte d’Ivoire |
1. Soja (Glycine max)
Der Sojaanbau ist einer der Haupttreiber der Entwaldung in Südamerika, insbesondere im brasilianischen Cerrado und der Gran Chaco-Region, die sich über Argentinien, Paraguay und Bolivien erstreckt.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 1201 -- Sojabohnen, ganz oder gebrochen
- 1208 10 -- Sojabohnenmehl und -schrot
- 1507 -- Sojabohnenöl und dessen Fraktionen
- 2304 -- Ölkuchen und andere feste Rückstände aus der Sojabohnenölgewinnung
- 3505 10 -- Dextrine und modifizierte Stärke aus Soja
Abgeleitete Produkte umfassen: Sojalecithin (weit verbreitet in der Lebensmittelherstellung), Sojaproteinisolate, Sojamilch, Tofu, Tierfutter mit Sojaschrot, Biodiesel aus Sojaöl. Die Lieferkette ist umfangreich – Sojaschrot ist die Hauptproteinquelle in europäischem Tierfutter, was bedeutet, dass die EUDR indirekt die gesamte europäische Fleisch- und Milchindustrie betrifft.
EU-Importmengen: ca. 33 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot pro Jahr, hauptsächlich aus Brasilien (~50 %), den USA (~25 %) und Argentinien (~15 %).
2. Rinder und Rindfleisch
Die Rohware Rind umfasst sowohl lebende Tiere als auch eine breite Palette abgeleiteter Produkte und spiegelt die herausragende Rolle der Rinderhaltung bei der tropischen Entwaldung wider.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 0102 -- Lebende Rinder
- 0201, 0202 -- Fleisch von Rindern (frisch, gekühlt, gefroren)
- 0206 -- Essbare Innereien von Rindern
- 0210 -- Fleisch, gesalzen, geräuchert, getrocknet
- 4101 -- Rohaut und Häute von Rindern
- 4104 -- Gegerbte oder halbfertige Häute von Rindern
- 4107 -- Weiterverarbeitetes Leder nach Gerbung
- Verschiedene -- Lederwaren, Dosenfleisch, Gelatine, Talg
Wichtiger Punkt: Die Verordnung umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von lebenden Rindern bis hin zu fertigen Lederwaren. Eine europäische Modemarke, die Ledertaschen bezieht, muss das Material bis zur Farm zurückverfolgen.
EU-Importmengen: ca. 300.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr, mit bedeutenden Lieferungen aus Brasilien, Argentinien, Uruguay und Australien. Lederimporte erhöhen die Komplexität zusätzlich.
3. Palmöl (Elaeis guineensis und Elaeis oleifera)
Palmöl ist das weltweit meistverzehrte Pflanzenöl und ein Haupttreiber der Entwaldung in Südostasien sowie zunehmend in Westafrika und Mittelamerika.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 1511 -- Palmöl und dessen Fraktionen
- 1513 11 -- Rohes Kokosnussöl (Kopraöl) (wenn aus Ölpalme gewonnen)
- 2915 70 -- Palmitinsäure, Stearinsäure, Salze und Ester
- 3823 -- Industrielle Monocarbonsäuren
- 3826 00 -- Biodiesel aus Palmöl
- Verschiedene -- Glycerin, Seife, kosmetische Zubereitungen mit Palmöl-Derivaten
Abgeleitete Produkte sind allgegenwärtig: Palmöl und seine Derivate finden sich in etwa 50 % der verpackten Supermarktprodukte – von Margarine, Schokolade und Instant-Nudeln bis zu Shampoo, Lippenstift und Industrieschmierstoffen. Die Rückverfolgung von Palmöl durch komplexe Raffinations- und Mischprozesse ist eine große Herausforderung.
EU-Importmengen: ca. 6 Millionen Tonnen pro Jahr, hauptsächlich aus Indonesien (~55 %) und Malaysia (~35 %).
4. Holz
Die Rohware Holz hat die breiteste Produktabdeckung, was die Wurzeln der EUDR in der früheren EU-Holzverordnung widerspiegelt.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 4401 -- Brennholz, Holzspäne, Sägemehl
- 4403 -- Rundholz
- 4407 -- Längsgeschnittenes oder gehobeltes Holz
- 4408 -- Furnierblätter
- 4409 -- Kontinuierlich geformtes Holz (Profile)
- 4410, 4411 -- Spanplatten, Faserplatten (MDF, HDF)
- 4412 -- Sperrholz
- 4418 -- Tischler- und Zimmererarbeiten aus Holz
- 4701 bis 4707 -- Mechanische und chemische Holzschliffe
- 4801 bis 4823 -- Papier- und Pappeprodukte
- 9401 61, 9403 30-60 -- Holzmöbel
- Verschiedene -- Gedruckte Bücher (4901), Holzkohle (4402)
Einzigartiges Merkmal bei Holz: Die EUDR umfasst auch Walddegradation, definiert als strukturelle Veränderungen der Waldkronenbedeckung, die diese auf 10-30 % reduzieren (Artikel 2(6)). Für die anderen sechs Rohwaren ist nur die vollständige Entwaldung (Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzung) verboten.
EU-Importmengen: Die EU ist der zweitgrößte Importeur von Tropenholz weltweit. Wichtige Herkunftsländer sind Brasilien, Indonesien, Kamerun, Republik Kongo und China (als Verarbeitungszentrum).
5. Kakao (Theobroma cacao)
Der Kakaoanbau ist der Haupttreiber der Entwaldung in Westafrika, wo etwa 70 % des weltweiten Kakaos produziert werden.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 1801 -- Kakaobohnen, ganz oder gebrochen
- 1802 -- Kakaoschalen, -häute, -schalenreste
- 1803 -- Kakaomasse, entölt oder nicht
- 1804 -- Kakaobutter, -fett und -öl
- 1805 -- Kakaopulver (ungesüßt)
- 1806 -- Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen
Lieferkettenmerkmale: Kakao wird überwiegend von Kleinbauern produziert (weltweit 5-6 Millionen Betriebe, durchschnittliche Größe 2-5 Hektar). Diese Zersplitterung erschwert die Rückverfolgbarkeit erheblich. Eine einzelne Schokoladentafel kann Kakao von Hunderten verschiedener Farmen enthalten, der auf mehreren Stufen vermischt wird.
EU-Importmengen: ca. 3,5 Millionen Tonnen Kakaobohnen und -produkte pro Jahr. Die EU ist der weltweit größte Importeur und Verarbeiter von Kakao. Belgien, die Niederlande und Deutschland sind wichtige Verarbeitungszentren.
6. Kaffee (Coffea spp.)
Der Kaffeeanbau hat historisch Entwaldung in Mittelamerika, Ostafrika und zunehmend in Vietnam und Laos vorangetrieben.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 0901 -- Kaffee, geröstet oder ungeröstet, entkoffeiniert oder nicht; Kaffeeschalen und -häute
- 2101 11 -- Extrakte, Essenzen und Konzentrate von Kaffee
Lieferkettenmerkmale: Wie Kakao ist Kaffee überwiegend ein Kleinbauernerzeugnis (geschätzte 12,5 Millionen Produzenten weltweit). Die Lieferketten sind jedoch etwas strukturierter, mit Direktvertrieb und Zertifizierungssystemen (Fairtrade, Rainforest Alliance, UTZ), die einen bedeutenden Handelsanteil abdecken.
EU-Importmengen: ca. 3 Millionen Tonnen grüner Kaffee pro Jahr. Die EU ist der weltweit größte Kaffeemarkt und konsumiert etwa 30 % der globalen Produktion.
7. Kautschuk (Hevea brasiliensis)
Die Naturkautschukproduktion wird zunehmend mit Entwaldung in Südostasien in Verbindung gebracht, insbesondere in Laos, Kambodscha, Myanmar und Südchina.
Wichtige CN-Codes (Auszug Anhang I):
- 4001 -- Naturkautschuk in Primärformen oder Platten, Blättern, Streifen
- 4005 -- Gemischter Kautschuk, unvernetzt
- 4006 -- Unvernetzter Kautschuk in anderen Formen
- 4007 -- Vernetzter Kautschukfaden und -schnur
- 4010 -- Förder- oder Antriebsriemen
- 4011 -- Neue luftbereifte Gummireifen
- 4012 -- Überholte oder gebrauchte luftbereifte Reifen
- 4013 -- Gummischläuche
- 4015 -- Gummihandschuhe
- 4016 -- Andere Artikel aus vernetztem Kautschuk
Lieferkettenmerkmale: Naturkautschuk ist ein wichtiger industrieller Rohstoff. Etwa 70 % werden in der Reifenherstellung verwendet. Die EUDR betrifft daher die gesamte Lieferkette der Automobil- und Transportbranche.
EU-Importmengen: ca. 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr, hauptsächlich aus Thailand (~35 %), Indonesien (~25 %) und Côte d’Ivoire (~15 %).
Wie Sie feststellen, ob ein Produkt erfasst ist
Schritt 1: Identifizieren Sie den CN-Code
Verwenden Sie die TARIC-Nomenklatur oder das automatisierte Klassifizierungswerkzeug, um den genauen 8-stelligen CN-Code Ihres Produkts zu ermitteln. Eine korrekte Zolltarifklassifizierung ist die Grundlage – ein falscher Code kann zu Nichtkonformität oder unnötigen Kosten führen.
Schritt 2: Prüfen Sie Anhang I der Verordnung 1115/2023
Vergleichen Sie den CN-Code mit der vollständigen Liste in Anhang I. Der Anhang ist nach Rohwaren gegliedert: Jede Rohwarenrubrik listet alle CN-Codes der abgeleiteten Produkte auf. Beachten Sie:
- Einige Einträge umfassen ganze 4-stellige Überschriften (z. B. 4407 umfasst sämtliches gesägtes Holz)
- Andere sind auf 6- oder 8-stelliger Ebene spezifiziert (z. B. 1511 10 90 – Rohes Palmöl, sonstiges)
- CN-Codes können jährlich aktualisiert werden; prüfen Sie stets die aktuelle Kombinierte Nomenklatur
Schritt 3: Bewerten Sie das Kriterium „relevant“
Nicht jedes Produkt, das Spuren einer erfassten Rohware enthält, fällt automatisch unter den Anwendungsbereich. Das Produkt muss ein „relevantes Produkt“ im Sinne der Verordnung sein. Die Liste in Anhang I ist jedoch weit gefasst – zusammengesetzte Produkte mit signifikanten Mengen erfasster Rohwaren (z. B. Schokoladentafeln, Lederschuhe, Holzmöbel, Reifen) sind in der Regel erfasst.
Praktische Entscheidungsmatrix
| Ihre Situation | Erfasst? | Verpflichtung |
|---|---|---|
| Import von rohen Sojabohnen aus Brasilien | Ja | Vollständige Sorgfaltspflicht (Betreiber) |
| Kauf von Schokoladentafeln bei einem deutschen Händler | Ja | Verpflichtungen des Händlers (Prüfung der Sorgfaltspflicht-Erklärung) |
| Import von Ledertaschen aus Italien, hergestellt aus brasilianischen Häuten | Ja | Betreiber (Italienischer Hersteller muss bis zur Farm zurückverfolgen) |
| Import von synthetischen Gummireifen (ohne Naturkautschuk) | Nein | Nicht erfasst |
| Export von französischem Eichenholz in die USA | Ja | Export-Sorgfaltspflicht erforderlich |
| Import von Recyclingpapier aus China | Ja | Papier-/Zellstoff-CN-Codes in Anhang I; Herkunft des Holzfasers muss geprüft werden |
Abgeleitete Produkte – die Herausforderung der Komplexität
Der Anwendungsbereich der EUDR geht weit über Rohwaren hinaus. Abgeleitete Produkte schaffen eine komplexe Compliance-Landschaft:
Lebensmittelindustrie: Sojalecithin in Keksen, Palmöl in Margarine, Kakaobutter in Süßwaren, Kaffeeextrakte in Fertiggetränken. Lebensmittelhersteller müssen Zutaten bis zum Anbauparzelle zurückverfolgen.
Mode und Leder: Rinderhäute durchlaufen Gerbereien, oft in mehreren Ländern, bevor sie zu Lederwaren verarbeitet werden. Die Rückverfolgungskette vom brasilianischen Ranch bis zur italienischen Schuhfabrik kann 4–7 Zwischenstationen umfassen.
Papier und Verpackung: Holzschliff aus mehreren Ländern kann in einer Papierfabrik vermischt werden. Ein Karton kann Fasern aus Dutzenden von Waldkonzessionen auf mehreren Kontinenten enthalten.
Automobil- und Industrie: Naturkautschuk in Reifen, Palmöl-Derivate in Industrieschmierstoffen, holzbasierte Aktivkohle in Filtersystemen.
Kosmetik und Körperpflege: Palmöl-Derivate (Glycerin, Natriumlaurylsulfat, Stearinsäure) finden sich in der Mehrheit der Körperpflegeprodukte unter Bezeichnungen, die ihre Herkunft verschleiern.
Für jeden dieser Sektoren müssen Betreiber den entwaldungsfreien Status der Rohware auf Parzellebene nachweisen können, unabhängig von der Anzahl der Verarbeitungsschritte.
Prüfen Sie, ob Ihre Produkte von der EUDR erfasst sind
Häufig gestellte Fragen
- Sind Produkte, die nur Spuren einer erfassten Rohware enthalten (z. B. Sojalecithin in Keksen), erfasst?
- Ja, wenn das Produkt unter einen in Anhang I der Verordnung 1115/2023 aufgeführten CN-Code fällt. Die Verordnung enthält keine de-minimis-Schwelle basierend auf dem Anteil einer erfassten Rohware im Produkt. Sojalecithin (CN 2923 20) ist beispielsweise ausdrücklich aufgeführt. Betreiber müssen die Sorgfaltspflicht für den verwendeten Soja erfüllen, unabhängig von der Menge im Endprodukt.
- Gilt die EUDR für recycelte oder gebrauchte Produkte?
- Die Verordnung konzentriert sich auf Produkte, die relevante Rohwaren enthalten oder aus diesen hergestellt wurden. Recyclingpapier ist erfasst, da es aus Holzschliff stammt. Es gibt jedoch laufende Diskussionen darüber, wie Produkte zu behandeln sind, bei denen die ursprüngliche Rohware mehrfach recycelt wurde. Die Kommission wird hierzu voraussichtlich Leitlinien veröffentlichen. Gebrauchte Lederwaren oder Holzmöbel, die auf dem Sekundärmarkt verkauft werden, gelten in der Regel nicht als erstmalig in Verkehr gebracht.
- Wie gehe ich mit Produkten um, die aus mehreren Ländern oder Parzellen stammen?
- Die EUDR verlangt Geolokalisierungsdaten für jede Produktionsparzelle. Bei Mischprodukten (z. B. Kaffee aus mehreren Herkunftsländern) müssen Geodaten für alle Parzellen bereitgestellt werden, die zum Endprodukt beigetragen haben könnten. Die Trennung der Lieferketten oder gleichwertige Rückverfolgbarkeitssysteme sind unerlässlich. Detaillierte Hinweise finden Sie in Kapitel 4 zu Geolokalisierung und Rückverfolgbarkeit.
- Sind synthetische Alternativen zu erfassten Rohwaren (z. B. synthetischer Kautschuk) erfasst?
- Nein. Erfasst sind nur Produkte, die aus den sieben natürlichen Rohwaren der Verordnung stammen. Synthetischer Kautschuk (auf Erdölbasis), Kunstleder oder im Labor gezüchtetes Fleisch sind nicht erfasst. Produkte, die natürliche und synthetische Materialien mischen (z. B. Reifen mit natürlichem und synthetischem Kautschuk), sind für den natürlichen Kautschukanteil erfasst.
- Wird die Liste der erfassten Rohwaren erweitert?
- Artikel 36 der Verordnung 1115/2023 schreibt eine Überprüfung bis zum 30. Juni 2025 vor, um zu prüfen, ob der Anwendungsbereich auf weitere Rohwaren (Mais, Geflügel, Schweinefleisch), andere Ökosysteme (Feuchtgebiete, Torfgebiete, Savannen) und Finanzinstitute ausgeweitet werden soll. Ein Update wird erwartet, aber bis April 2026 wurde keine formelle Gesetzesänderung verabschiedet.